Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Sie haben sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umgeschaut und ein bestimmtes Auto näher ins Auge gefasst. Doch ob das Objekt der Begierde auch das hält, was es verspricht, muss sich erst noch herausstellen. Um das Risiko eines Fehlkaufs zu vermindern, haben wir für Sie eine Checkliste zusammengestellt.
Vollständige und korrekte Fahrzeugpapiere
Seit dem 01.10.2005 gelten die neuen EU-Richtlinien für Kfz-Zulassungspapiere. Der bisherige Fahrzeugschein wurde durch die Zulassungsbescheinigung Teil I, der Kfz-Brief durch die Zulassungsbescheinigung Teil II ersetzt. Vor diesem Datum bereits zugelassene Fahrzeuge erhalten die neuen Papiere erst beim Halterwechsel. Stimmen die Angaben in beiden Papieren überein? Sind bauliche Veränderungen eingetragen? Wann wurde das Fahrzeug erstmals zugelassen? Lassen Sie sich den Ausweis des Verkäufers zeigen. Notieren Sie sich die Nummer.
Fahrgestellnummer: Stimmt die Nummer am Auto mit der Nummer in den Fahrzeugpapieren überein?
Vorbesitzer: Dem bisherigen Kfz-Brief ließen sich der Name und die Anschrift von bis zu sechs Vorbesitzern sowie der Zeitraum der jeweiligen Halterschaft entnehmen. Ein häufiger Halterwechsel lässt auf gravierende Fahrzeugmängel schließen, weshalb das Fahrzeug schnell weiterverkauft wurde. War das Fahrzeug auf ein Taxi-, Leasing-, Mietwagen- oder Fahrschulunternehmen zugelassen, wurde es wahrscheinlich extrem beansprucht.
Der aktuellen Zulassungsbescheinigung Teil II lassen sich jetzt nur noch maximal der Vorbesitzer und der aktuelle Halter des Fahrzeugs entnehmen. Unter dem Punkt B 1 wird die Anzahl der Vorhalter des Fahrzeugs eingetragen.
Wartung und Reparaturen: Wurde das Fahrzeug regelmäßig gewartet und lässt sich dies anhand des Kundendienstheftes nachvollziehen? Stimmt der Tachostand mit dem Kundendienstheft überein? Wurden größere Reparaturen vorgenommen oder Verschleißteile gewechselt? Lässt sich dies mit Rechnungen belegen?
Hauptuntersuchungstermin und Abgasuntersuchung: Vergleichen Sie die Einträge in Teil I der Zulassungsbescheinigung/Kfz-Schein mit den Plaketten am vorderen und hinteren Nummernschild. Diese müssen übereinstimmen. Sehen Sie den letzten Prüfbescheid ein. Hier sollten keine gravierenden Mängel aufgeführt sein.
Feinstaubplakette: Hat das Fahrzeug bereits eine Feinstaubplakette erhalten? Diese ist mittlerweile in vielen Städten Vorschrift, um in die dort ausgewiesenen Umweltzonen einfahren zu dürfen.
Prüfung des Fahrzeugs
- Karosserie: Prüfen Sie das Fahrzeug besonders auf Rost an Türschwellen, Längsträgern, Radlaufecken, Kotflügelkanten und an den Türunterseiten. Wie sieht es mit dem Unterbodenschutz und der Hohlraumversiegelung aus? Gibt es Hinweise auf Unfallschäden (z.B. unregelmäßige Spaltmaße)? Sind die Reifen ungleichmäßig abgefahren? Dann sind vermutlich die Radaufhängungen des Fahrzeugs verzogen. Prüfen Sie Wasserschläuche und Wärmetauscher der Heizung und Klimaanlage auf Undichtigkeiten. Kontrollieren Sie die Funktion der Heizung, des Gebläses und der Klimaanlage. Leuchten die Kontrolllampen beim Einschalten der Zündung auf und erlöschen spätestens wieder beim Losfahren? Falls nein, wird eine aufwendige Fehlersuche notwendig. Die Lebenserwartung einer Batterie kann stark schwanken. Sie beträgt in der Regel zwischen zwei und sechs Jahren. Ihr Deckel darf weder Risse noch Wölbungen aufweisen, die Pole sollten gefettet sein.
- Motor und Kraftübertragung: Ist der Motor sauber und trocken? Ein verölter Motorraum deutet auf Undichtigkeiten und mangelnde Wartung hin. Kontrollieren Sie das Triebwerk auch von unten sorgfältig auf Ölundichtigkeiten. Möglicherweise wurde erst kürzlich eine Motorwäsche vorgenommen. Gibt es Metallabrieb im Öl (Peilstab ziehen und einen Tropfen Öl zwischen den Fingern verreiben)? Dann sind die Lager verschlissen. Treten bei laufendem Motor aus dem Öleinfüllstutzen (Deckel abnehmen) Gase aus, sind in den meisten Fällen die Kolbenringe defekt. Hartes Klopfen signalisiert oft kapitale Motorschäden. Wassertröpfchen im Öl (am Peilstab prüfen) weisen oft auf Defekte an der Zylinderkopfdichtung hin. Ist die Auspuffanlage dicht? Achten Sie auf intakte Halterungen der Auspuffanlage. Prüfen Sie den Katalysator auf äußere Beschädigungen. Achten Sie auf Leckstellen an Kühler und Wasserschläuchen (weiße Kalkspuren). Sprudelt das Kühlerwasser bei laufendem Motor, ist die Zylinderkopfdichtung defekt. Ist die Kupplung ok? Beim Gangwechsel dürfen keine Kratzgeräusche auftreten, beim Anfahren sollte die Kupplung nicht rupfen. Sind die Gummimanschetten über den Gelenken der Antriebswellen undicht oder haben Risse? Eingedrungene Feuchtigkeit und Schmutz lassen die Gelenke schnell verschleißen.
- Fahrwerk: Ungleichmäßig abgefahrene Reifen deuten auf eine fehlerhafte Achsgeometrie oder unkorrekten Luftdruck hin. Für eine genaue Diagnose muss der Wagen in einer Werkstatt vermessen werden. Altersschwache Stoßdämpfer lassen sich durch die Wipp-Prüfung entlarven: Karosserie an einer Ecke herunterdrücken und loslassen. Der Aufbau darf dann höchstens dreimal nachwippen. Eine Überprüfung in der Werkstatt liefert genaue Ergebnisse. Die Belagstärke der Bremsbeläge sollte noch gut vier Millimeter betragen. Sind die Bremsscheiben stark verrostet? Dies lässt auf eine ungenügende Funktion der Bremsanlage schließen. Eine genaue Beurteilung der Bremsenfunktion liefert nur ein Test auf einem Rollenprüfstand. Die Profiltiefe der Reifen sollte noch mindestens vier Millimeter betragen, auch beim Ersatzrad. Messen Sie die Profiltiefe an unterschiedlichen Stellen nach. Achten Sie auf Beschädigungen an Felgenhörnern und Reifenflanken. Haben alle vier Reifen die gleiche Größe, Bauart und sind sie von der gleichen Marke? Die für das Fahrzeug zugelassenen Felgen und Reifen sind in der Zulassungsbescheinigung Teil I eingetragen. Wird hiervon abgewichen, muss dies eingetragen sein oder hierfür eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) vorliegen. Prüfen Sie das Lenkungsspiel. Bei geradeaus stehenden Vorderrädern darf das Spiel am Lenkrad höchstens zwei Zentimeter betragen. Prüfen Sie dieses durch gefühlvolles Hin- und Herbewegen. Wie fühlt sich der Wagen an?
Probefahrt
Jetzt muss Ihr "neues" Fahrzeug zeigen, ob es hält, was es verspricht. Verzichten Sie nicht auf eine Probefahrt, denn nur dabei lassen sich Mängel im Praxisbetrieb erkennen.
Kaltstart und Laufverhalten: Der Motor sollte zu Beginn der Probefahrt kalt sein, denn auch in kaltem Zustand muss der Motor sofort anspringen und rundlaufen. Setzt der warm gefahrene Motor aus oder spricht er nur schlecht auf Gaspedalbewegungen an, müssen Vergaser, Einspritzanlage oder Zündung überprüft werden. Dies kann in der Regel nur eine Werkstatt erledigen.
Motorgeräusche: Metallisches Klappern beim kräftigen Beschleunigen deutet auf defekte Kolben oder zu großes Kolbenspiel hin. Hartes Klopfen zeigt meistens einen Lagerschaden an. Klappergeräusche können auch von Störungen am Nockenwellenantrieb verursacht werden. Knallt der Motor beim Gaswegnehmen oder im Schiebebetrieb, dann ist fast immer eine Undichtigkeit der Auspuffanlage die Ursache.
Ölverbrauch: Prüfen Sie vor Antritt der Probefahrt, ob der Ölstand der Maschine korrekt ist. Qualmt der Motor im Schiebebetrieb bei hoher Drehzahl oder bei Schaltvorgängen aus dem Auspuff, sind in den meisten Fällen entweder die Ventilführungen oder aber die Kolbenringe abgenutzt. Das bedeutet hohen Ölverbrauch und zur Behebung des Schadens ist eine sehr teure Reparatur nötig.
Getriebe: Achten Sie auf Leichtgängigkeit und Exaktheit der Schaltung. Treten Heultöne im Schiebebetrieb auf, sind die Gangräder defekt. Abgenutzte Synchronringe machen sich durch laute Kratzgeräusche bei schnellen Schaltvorgängen bemerkbar.
Differenzial und Kardanwelle: Verschlissene Differenzialteile verursachen Heultöne. Klackgeräusche bei Lastwechseln lassen auf zu großes Spiel der Kardanwellen-Kreuzgelenke schließen.
Fahrwerk: Poltern auf schlechter Straße rührt meist von ausgeschlagenen Radaufhängungen oder Dämpferbefestigungen her: Sind die Stoßdämpfer gut, darf sich die Karosserie in Kurven nicht zu stark neigen.
Bremsen: Sie dürfen nicht ziehen, rubbeln oder metallische Geräusche erzeugen. Wird der Pedalweg bei Pumpbewegungen kürzer, befindet sich Luft im Bremssystem. Lassen Sie die Anlage in einer Werkstatt entlüften. Wurde die Bremsflüssigkeit regelmäßig gewechselt? Ein Aufkleber im Auto oder ein Eintrag im Kundendienstheft gibt darüber Auskunft.
Motorleistung: Wenn der Motor gut bei Kräften ist, muss das Auto die in Teil I der Zulassungsbescheinigung/Kfz-Schein ausgewiesene Höchstgeschwindigkeit leicht erreichen.
Konnten Sie alle Punkte zu Ihrer Zufriedenheit klären und sind sich mit dem Verkäufer handelseinig geworden? Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß mit Ihrem "neuen" Auto und immer gute Fahrt!






